1.30 Die ersten Regentropfen fallen. Kurt steht auf und öffnet alle Wetterberichte. Nach kurzer Zeit hört es wieder auf. Ich möchte gerne noch im Bett bleiben. Kurt macht Wachdienst und studiert Flughafen Wetter Berichte.
3.30 Regen ist zu hören. Ich bin sofort wach. Wir schlüpfen in unsere Wasserfeste Kleidung. Kurt ist bei den Notebooks, ich steh im Cockpit und starre auf die Blitze. Beonders heftig blitzt es am Horizont, wenn man auf das offene Meer blickt.
Wenn ich am Notebook auf die Echtzeitblitze sehe, erschaudere ich. So ein riesiges Gewitterfeld hab ich noch nie gesehen und ich hatte diese App schon oft geöffnet.
Was erwartet uns hier?
Ich zeichne unentwegt japanische Schriftzeichen in die Luft zu unserem Schutz und dem Schutz des Schiffes.
Dieses blitzefeld reicht von Valenzia bis rüber Korsika und Sardinien, bis hinauf zu Frankreichs Küsten. Und in ihrer Mitte stetes Blitzen, öfter als in einer Sekunde.
Angst und Respekt vor diesem Unwetter breitet sich bei mir aus und wir können nichts tun.
So geht es weiter bis 5.30. Dazwischen kommen noch zwei Mal ein Regenguss und eine Windböe, die uns koplett im Kreis dreht, 360 Grad.
Je näher dieses Blitzefeld kommt, umso mehr kann man erkennen, daß sie sich hier teilt. Eine Hälfte, die größere zieht intensiv nach Marseille und der kleinere Teil zieht runter nach Saint Tropez. Dazwischen entsteht eine Wolkenfreie Front, wo unser Ankerplatz ist.
Kann das denn sein?
Wir studieren auch drei Flughafen Wetter, denn die müssen es ja wissen, dachten wir.
Um 5.30 sind alle Blitze durchgezogen und nur 2 Einzelne haben uns gestreift und die Schiffs Drehung verursacht. Ich will gar nicht denken, was passiert wäre, wenn es der ganze Marseille Streifen hier erreicht hätte.
Meine Kräfte sind am Ende und ich schlafe sofort ein.
Kurt bereitet sich den Hundeplatz und hält weiter Wache.
9.00 Ich bin noch ein bisschen Knieweich aber brauche Nahrung.
Der Blick aus dem Schiff erschütterte mich. Rund um uns war braunes Wasser. Die Unwetter haben die Kanäle überlaufen lassen und jedden Menge Erdreich ist ins Meer geflossen. Dazwischen schwimmen einige Äste, Blätter und sogar ein großer Baum an uns vorbei.

d.h. Zusammenfassend war diese kleine Bucht von Bandol ein wunderbarer Schutz gegen das mächtige Unwetter. Aber für den heutigen Tag war es nicht so ideal. Riesige Wellen rollten rein zu unserem Schiff, dazwischen kleine spitze Wellen. Das Schiff wurde hin und her gerissen. Zum Glück hält unser Anker fest.
Wir warten, ob wir nicht an Land gehen können. Es kommt mir vor, als war ich schon fast eine Woche nicht mehr an Land. Das ist mehr als heftig.
Aber bei diesem Wetter kommen wir mit dem Beiboot wohl nicht heil an Land an.
15.00 Der Wind wird stärker und stärker, die Wellen größer, es wird noch ungemütlicher. Mein Magen ist darüber nicht sehr erfreut, aber wir können nichts tun.
19.00 Der Wind und die Wellen sind ein Kleinwenig leichter geworden, die braune Brühe ist noch immer da und natürlich nicht sehr lockend, da durch an Land zu fahren.
20.00 Wir reißen uns am Riemen. Jetzt muss es sein und wir lassen flott das Beiboot ins Wasser während riesige Wellen ranrollen. Auch das Einsteigen klappt gut und wir können gemütlich Richtung Land fahren.
Schritte tun, fühlt sich etwas seltsam an, nach solange Aufenthalt am wackeligen Schiff. Ich gehe wie auf rohen Eiern.
Es sind sehr viele Menschen im Ort. Wir kommen nicht leicht voran. Sie sitzen überall, in den Lokalen, am Strand, auf den Mauern, im Hafen,…..Auch ein Freiluft Konzert ist vorbereitet.
Wir schaffen sogar noch den kleinen Spar und fahren dann zurück, was in der dunklen Nacht wieder aufregend wird, besonders weil die großen Wellen noch da sind.
Kaum sind wir am Schiff, beginnt auch schon das Feuerwerk, daß sie anläßlich der Befreiung der Stadt heute abhalten. Darum waren soviele Menschen heute in Bandol.
So nah an einem Feuerwerk waren wir schon lange nicht mehr.

Jetzt noch uns stärken und dann ab ins Bett. Hoffentlich ist der Wind morgen endlich schwächer. Im Bett ist es noch sehr unruhig wegen der großen Wellen, aber wir werden schon schlafen können.
Welch ein aufregender Tag. Ich hoffe, die nächsten werden ruhiger!